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Aus einer anderen Zeit

Mädchenzeit 3

Bilder und Träume in Prosa
Krieg und Frieden


Der Lindenbaum
. In ihm hocken sie. In langen Winternächten. Der Nikolaus, der Bulemann, Knecht Ruprecht mit der Rute. Der Weihnachtsmann mit dem großen Sack voller Geschenke. In den er aber auch die ungezogenen Kinder stopft. Der rechtschaffene Polizist kämpft dort oben seinen aussichtslosen Kampf gegen den finsteren Räuber. Dem Nikolaus wird es zu kalt im Geäst. Er heult mit dem Ostwind um die Wette. Sie schlagen sich um die kräftigsten Äste. Vor dem Zimmer, in dem das Mädchen  schlafen soll. Einmal im Bett, ist sie ihnen schutzlos ausgeliefert. Ho-ho, ruft der schwarze Mann. Klopft an die Fensterscheibe und drückt seine unförmige Nase platt. Mama, Mama, er hat angeklopft. Das hast du nur geträumt. Geben die wilden Gesellen im Geäst endlich Ruhe, beginnt der Spuk oben drüber. Auf dem Dachboden erwacht der russische Soldat. Er hat sich einst im morschen Gebälk erhängt. Nach dem ersten großen Krieg. Dem Gepolter nach, hat er noch einige Mitgefangnene, tot oder lebendig, eingeladen. Bei Tageslicht verwandelt sich die Bodenluke in ein harmloses Viereck. Und in den Zweigen der alten Linde tummeln sich Eichhörnchen undKrähen. 


Sperlinge


Feinde. Im Nachbarhaus leben zwei verfeindete Familien mit vielen Kindern. Die dürfen nicht miteinander spielen. Bei schönem Wetter stehen die beiden Mütter am Gartenzaun und beschimpfen sich so laut wie möglich. Aus den umliegenden Fenstern hängen die Nachbarsfrauen, geben ihren Senf dazu und amüsieren sich köstlich. Das Mädchen hält sich die Ohren zu. Gerda sagt, wenn du mit Herta spielst, verhauen dich meine großen Brüder. Herta droht mit der Rache ihrer großen Schwestern. Freundinnen aus der Schule finden keinen Einlass. Da sind sich alle einig. Sie jagen sie vom Hof.

Der Panzer. So ein Panzer ist schrecklich stark. Er kann durch Wände gehen. Durch ganze Häuser. Und auf der anderen Seite kommt er unbeschädigt wieder heraus. Das Mädchen  überlegt, was wohl passiert, wenn es einem Panzer einfallen sollte, das Haus zu rammen. Die Wohnung im Erdgeschoss wird einstürzen. Und die Zimmer im 1.Stock, in denen sie mit den Eltern lebt? Die fallen in das Loch. Wenn ein Panzer vorbeirasselt, betet sie, dass er niemals vom Wege abkommen möge. 

Holunder. Den ganzen, langen Gartenweg hinauf. Dazwischen Buchen, Haselsträucher, Weißdorn und Schlehen. In der Luft der Geruch von Maikäfern. Manchmal wird sie davon wach. Maikäfer. Krabbeltiere. Unterschiedlich in der Farbe. Schornsteinfeger, Müller, Kaiser. Maikäfer vermehren sich durch Windbestäubung. Eine schöne Müllerin hatte sie noch nie auf der Hand. Holunder. Raues Holz. Watteweiches Innenleben. Mit einem Stock oder Draht herausgepult. Zurück bleibt ein Rohr. Harte, grüne  Holunderbeeren, ein Haselstöckchen. Plopp! Wer am weitesten schießt, ist König. Jeder wird gern König. Bei Hüpf-, Fang- und Kreisspielen gilt es König, Kaiser, Papst oder auch Bettelmann zu werden. Weibliche Titel, für die es sich zu kämpfen lohnte, sind bei Kinderspielen selten.

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