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Märchen-Erzaehlen-2




Die Kleine Wasserfrau

(Fortsetzung)

Auf einem dieser Ausflüge passierte es dann. Sie befand sich auf dem Weg zum Meer, in Höhe unserer alten Stadt. Selbst unter Wasser merkte sie, dass hier etwas Besonderes geschah. Sie tauchte auf und horchte. Ein Prickeln befiel sie. Wir Menschen würden es Neugierde nennen.

Wenige hundert Meter trennten sie vom Ort des Geschehens. Ganz in der Nähe musste ein geheimer Wasserarm münden, der den Fluss mit dem Marktbrunnen verband. Sie brauchte eine halbe Stunde, bevor sie den Durchschlupf fand und zwängte sich in die enge Röhre. Der Gang war beinahe zugewachsen. Keuchend erreichte sie den Fuß des alten Brunnens.
Hier unten staute sich das Wasser. Sie konnte sich vom gröbsten Schlick befreien, bevor sie den Weg nach oben antrat. Die Eisenbügel im Brunnenschacht fühlten sich rauh und brüchig an, hielten aber dem Gewicht der kleinen Nixe stand.
Sie schob ein paar morsche Bohlen zur Seite und reckte den Hals, um über den Brunnenrand zu schauen.
Da erblickte sie die vielen Menschen. Frauen, Männer, Kinder, mit Schildern, Transparenten und in den merkwürdigsten Verkleidungen.
"Wir müssen endlich damit aufhören, unsere Felder zu überdüngen!", rief eine Frau, die auf einer Holzkiste stand. "Und dann der hohe Verbrauch an Schädlingsbekämpfungsmitteln! Wem nützt er? Dem Hersteller! Allen anderen fügt er nur Schaden zu. Den Tieren in Wald und Feld. Euch, euren Kindern und Enkeln. Sämtliche Gifte gelangen in Flüsse, Seen und ins Meer. Im Grundwasser treffen sich alle wieder. Aus welchem Brunnen sollen unsere Nachkommen einmal trinken?"

Die einzelnen Kostüme wusste die kleine Wasserfrau nicht zu deuten. Nur eins kam ihr bekannt vor. Hatte sich doch ein Menschenkind als Meerjungfrau verkleidet und trug ein Schild vor der Brust, mit der Aufschrift: "Auch ich möchte leben!"
Da fiel es der kleinen Wasserfrau wie Schuppen von den Augen. "Schluss mit der dummen Singerei!", rief sie. "Das konnten andere vor mir viel besser! Und die ständige Kämmerei ist auch für die Katz! Ein Prinz kommt hier nicht vorbei."

Sie warf ihr altes Schuppenkleid ab, tauschte die nutzlose Schwanzflosse gegen ein Paar schlanke Beine ein, flocht und wob sich ein Kleid aus Green Cotten und zog hinfort als Abgesandte von Green Peace durch die Lande.

Zu Anfang schmerzten sie die neuen Beine noch; doch fiel ihr das Laufen von Tag zu Tag weniger schwer, da sie nicht den Spuren eines Märchenprinzen folgte, sondern ihren eigenen Weg ging. Seit jenem Tag ist ihr Platz an der Travequelle verwaist. Doch hat das außer mir noch keiner bemerkt.


Veröffentlicht im Jahrbuch für Schleswig-
Holstein 1995 und in der Zimtzicke Dez. 1993



© Karin Rohner 2003







Schneewittchen

Die Kleine Wasserfrau

Stranddornröschen

Rapunzel
 
Märchenhaft

Froschkönig, Trompetengeier




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